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Schulung von Bergeteams für den ASP-Fall bei Wildschweinen (12.02.2020)
Landkreis Lüchow-Dannenberg (LK 18/2020)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist weiter auf dem Vormarsch. Sie steht sowohl im Westen als auch im Osten an der Grenze Deutschlands. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch in Deutschland der erste Fall bei Wildschweinen gemeldet wird.
Nach einem Virus positiven Schwarzwildfund werden um die zentrale Fundstelle besondere Restriktionszonen gebildet.

Erstens: Zum einen wird zunächst mit einem Radius von 15 Kilometern (km) das sogenannte Gefährdete Gebiet festgestellt. Hier kann aufgrund gemessener Wanderstrecken von Schwarzwild mit weiteren positiven Wildschweinen gerechnet werden.
Zweitens: Zum anderen wird um das Gefährdete Gebiet mit einer Breite von 15 km die Pufferzone gebildet, von der erhofft wird, dass sie noch keine ASP-positiven Wildschweine beinhaltet.

Innerhalb dieser Restriktionszonen sind mindestens über ein halbes Jahr diverse veterinärrechtliche Auflagen einerseits durch Jäger andererseits aber auch durch Landwirte zu beachten. Jeder weitere positive Befund würde die Restriktionsmaßnahmen um ein weiteres halbes Jahr verlängern.

Im Gefährdeten Gebiet können - je nach Bewertung der Lage durch eine Expertenkommission - rund um Fundstellen kleinere umzäunte Bereiche, sogenannte Kernzonen, eingerichtet werden. Für Kernzonen dürfen Betretungsverbote und auch Ernteverbote ausgesprochen werden. Insbesondere in der Kernzone aber auch im restlichen Gefährdeten Gebiet sollen nach einer gewissen Zeit der Jagdruhe vermehrt Wildschweine geschossen werden.

Dadurch wird erhofft, dass sich eine Unterbrechung der Infektionskette und ein Erlöschen der Seuche ergeben. Als Unterstützung für die Jäger wird durch die Gewährung einer Prämie der Anreiz geschaffen, eine intensivere Bejagung im Seuchenfall umzusetzen. Die Prämie wird für jedes geschossene Wildschwein gezahlt. Von wesentlichem Erfolg für das dauerhafte Erlöschen der Seuche ist aber auch die Fallwildbergung im Gefährdeten Gebiet und ihren Kernzonen.

Gestorbenes Fallwild ist im Seuchengebiet zu einem hohen Prozentsatz ASP-positiv und muss aus den Revieren entfernt werden. Jedoch können auch noch gesund wirkende, geschossene Wildschweine im Gefährdeten Gebiet das Virus beinhalten, wenn auch in einem deutlich geringerem Ausmaß. Die Erreger befinden sich vor allem im Blut. Blut, das aus jeder Schusswunde austritt, kann bereits in geringen Mengen eine Infektion auslösen. Der Erreger ist hier monatelang haltbar.

Auf der Hand liegt deshalb, dass beim Bergen von Fallwild und geschossenem Wild im Gefährdeten Gebiet besondere Hygienemaßnahmen einzuhalten sind, um den Erreger mit dem Blut nicht in andere Regionen oder gar in einen Schweinebetrieb zu verschleppen. Zuständig für das Bergen und Beproben von geschossenen Wild im Gefährdeten Gebiet ist aufgrund der Schweinpestverordnung der Jagdausübungsberechtigte. Das Fallwild soll im Seuchenfall hingegen aufgrund der bei weitem höheren Infektionsgefahr von speziell ausgebildeten Profiteams des Landkreises geborgen werden.

Bereits im Herbst 2018 hat der Landkreis zusammen mit Vertretern der Forst, der Jagd und vielen Beobachtern eine Übung zum hygienischen Bergen von Schwarzwild im Gefährdeten Gebiet durchgeführt. Sehr schnell wurde deutlich, dass der Einzeljäger kaum in der Lage sein wird, jedes Stück Schwarzwild - unabhängig von der Größe - hygienisch zu bergen, zu beproben und zu einer der im Seuchenfall vorgeschriebenen Sammelsteilen zu bringen. Er braucht Unterstützung. Auf Anregung des Landkreises wurden im Jahr 2019 aus den einzelnen Hegeringen Jäger benannt, die unter Umständen bereit wären, im Seuchenfall ihre Waidgenossen bei der Bergung von Schwarzwild zu unterstützen und sich dafür schulen zu lassen.

Mit Blick auf die umfangreichen Aufgaben trafen sich am 05.02.2020 Jäger, Förster und Mitarbeitende der Samtgemeinden in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) zu einer ersten theoretischen Schulung zum hygienischen Bergen von Wild. Die Vorgaben des Landkreises wurden intensiv diskutiert, insbesondere hinsichtlich der Praktikabilität. Vorschläge von Seiten der Praktiker wurden vom Landkreis positiv aufgenommen. Eine praktische Übung ist im Laufe des Jahres geplant. Hiervon erhofft sich der Landkreis weitere Impulse aus der Jägerschaft für eine sichere aber auch praktikable Bergung von Seuchenwild. Nur gemeinsam kann die ASP wirksam bekämpft werden. Sichere Schüsse auf Schwarzwild sowie eine saubere Bergung des Wildes sind der Garant für ein schnelles Erlöschen der Seuche. Diese Herausforderung kann in schwarzwilddichten Regionen wie Lüchow-Dannenberg nur in enger Zusammenarbeit der Behörden mit den Förster, Jägern und Landwirten bewältigt werden. Der Landkreis bedankt sich bereits heute schon bei all jenen, die sich, um im Krisenfall vertraut und gut abgestimmt zusammen zu arbeiten, im Vorfeld bei den Übungen und Schulungen aktiv einbringen, engagieren und weiterbilden.

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