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Möglicher Wolfsriss in Lomitz – 18 Schafe tödlich verletzt (13.02.2020)
Landkreis Lüchow-Dannenberg (LK 20/2020)

In Lomitz sind am Wochenanfang durch einen Übergriff von Kaniden (Sammelbezeichnung für Hunde und Hundeartige Tiere (Wolf oder Hund) aus dem lateinischem canis „Hund“) auf zwei benachbarte Schafherden mindestens 18 Schafe getötet worden. Vier dieser Schafe wurden komplett aufgefressen. Einige Schafe wurden verletzt und etwa 50 weitere Schafe werden noch vermisst.
Nach einer ersten Sichtung der Spurenlage spricht eine Vielzahl von Anzeichen dafür, dass es sich um einen Wolfsangriff durch mehrere Wölfe handeln könnte. Sicherheit wird erst die DNA-Analyse bringen. Vor Ort ergab sich folgendes Lagebild:

Der gut 0,90 Meter hohe Elektrozaun lag an mehreren Stellen am Boden. Dies kann durch unterschiedliche Faktoren geschehen sein, beispielsweise durch den Sturm, durch in Panik versetzte Schafe, die den Zaun heruntergetreten haben oder auch durch die Kaniden selber. Dies ist derzeit unklar.

Wolfsberater Kenny Kenner war am Mittwoch vor Ort. Er hat den Sachverhalt dokumentiert, die betroffenen Schafhalter beraten und einen ersten höheren Schafzaun organisiert. Die verletzten Tiere wurden tierärztlich behandelt. Die Suche nach den noch fehlenden Schafen läuft aktuell.

Hintergrundfakten:

Lomitz liegt mitten in einem Wolfsterritorium. Für den Landkreis Lüchow-Dannenberg sind aktuell drei Wolfsrudel gemeldet: Gartow, Göhrde und Lucie. Bisher war der Landkreis von Übergriffen durch Wölfe auf Nutztiere weitestgehend verschont. Dieses liegt nicht nur an dem Wildreichtum im Landkreis, sondern auch daran, dass viele hiesige Schäfer ihre Schafe gut geschützt hatten. Der aktuelle aus Wolfssicht sehr erfolgreiche Angriff wird die Wölfe – vorausgesetzt es waren Wölfe - ermuntern, das Verhalten zu wiederholen. Dem „Jäger“ Wolf stellt sich hierbei ins Bewusstsein: Warum schnelles Wild jagen, wenn Schafe so viel leichter zu bekommen sind?
Unter diesem Gesichtspunkt ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren Angriffen auf Nutztiere - insbesondere Schafe – kommen kann.

Insbesondere in den Monaten Oktober bis Ende April sind Wölfe vermehrt unterwegs. Jungwölfe entfernen sich weiter vom Rudel und probieren sich an unterschiedlicher Beute aus. Ab Februar legen im Zuge der Ranz (auch Ranzzeit genannt, bezeichnet die Paarungszeit beim Raubwild) insbesondere junge Rüden weite Strecken zurück. In diesen Monaten, in denen zudem das Jungwild in der Natur fehlt, nimmt die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere allgemein deutlich zu.

Der Landkreis empfiehlt daher allen Schafhaltern der Region auf Grund des aktuellen Vorfalles, ihre Herdenschutzmaßnahmen zu überprüfen und zu optimieren. Auskünfte zum Herdenschutz bezüglich Wolfsübergriffen finden sie in der Richtlinie Wolf des Niedersächsischen Umweltministeriums oder im aid-Heftsichere Weidezäune“. Ansprechpartner in Fragen des Herdenschutzes sind die für den Landkreis zuständigen Wolfsberater oder das Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Tel.: 0511 3034 3034 oder unter per E-Mail unter:  wolfsbuero@nlwkn-h.niedersachsen.de

Neben dem Herdenschutz ist eine ordnungsgemäße Kadaverlagerung von wesentlicher Bedeutung. Nutztierkadaver, die ungeschützt in der Natur liegen, locken unter anderem auch Wölfe an und konditionieren sie auf diese Beute. Kadaver von Nutztieren sind daher nicht nur aus Tierseuchengründen sicher vor dem Zugriff von Beutegreifern zu schützen. Sie sind in verschlossenen Behältern oder zumindest abgedeckt zu lagern, bis sie von der Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt werden.