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Rainer Süßmilch liest aus "Baba Dunjas letzte Liebe"

Im Rahmen der Kulturellen Stadtpartie liest Rainer Süßmilch am 24. Oktober 2016 in der Alte Jeetzel-Buchhandlung aus dem Buch von Alina Bronsky: "Baba Dunjas letzte Liebe". Was Alina Bronsky in Baba Dunjas letzte Liebe schafft, ist merkenswert. Sie schreibt ein Buch über Menschen, die sich in der nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl geschaffenen Sperrzone niedergelassen haben, und dieses Buch ist nicht belastend sondern: beglückend. Sie erzählt mit Herz und Witz - in ei...ner wunderbar lakonischen Sprache - von ebenso eigenwilligen wie eigensinnigen Menschen, die dem Leser augenblicklich ans Herz wachsen: von der tapferen Baba Dunja, ihrer Nachbarin Marja und ihrem fast hundertjährigen Bräutigam, vom sterbenskranken Petrov, der nach einer Krebsoperation im OP-Kittel aus dem Krankenhaus flieht und nun in der Hängematte Liebesgedichte liest. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Gemüse aus dem Garten, die Spinnen weben verrückte Netze, irgendwo fährt manchmal ein Bus in die
nächste Stadt und von Zeit zu Zeit kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. „Wir werden geduldet, aber niemand von uns glaubt daran, dass die Regierung uns zu Hilfe kommt, wenn wir alle Ressourcen aufgebraucht haben. Deswegen denken wir
unabhängig. Im Winter hat Petrov angefangen, einen Teil des Nachbarhauses zu verheizen. Holz ist genug da.“ Mit Baba Dunja hat Alina Bronsky eine wunderbare Ich-Erzählerin geschaffen, die
das Leben so nimmt, wie es ist, die ihr Leben lebt, ein anderes hat sie schließlich nicht. Und die ihm bei aller Mühsal („ich bin schließlich keine zweiundachtzig mehr“) mit einer guten Portion Galgenhumor und Pragmatismus eine Lebensfreude ab, die
so beeindruckend wie ansteckend ist. Bronsky schreibt dabei zunächst kein politisches Buch. Da ihre Helden aber allen Widrigkeiten zum Trotz ein selbstbestimmtes, ein freies Leben führen, da ihre Geschichte, ohne dies auch nur einmal zu thematisieren, auch nicht den geringsten Zweifel am Wahnsinn der
sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie lässt, ist es ein immens politisches Buch. Ein beglückendes politisches Buch.
Der Eintritt ist frei.

 

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