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Mit dem Kopf und dem Herzen stolpern - Stolpersteinverlegung in Dannenberg (Elbe)

StolpersteineBereits vor dem vereinbarten Beginn um 11.30 Uhr machte sich Gunter Demnig mit Unterstützung der Betriebshofmitarbeiter am Gehwegpflaster in der Marschtorstraße zu schaffen und begann 2 Pflastersteine herauszulösen.
Während er die Verlegestelle vorbereitete, füllte sich die Straße um ihn herum langsam mit einer bunten Menge interessierter Bürgerinnen und Bürger, darunter Ratsmitglieder, Bürgermeister, Vertreter und Mitarbeiterinnen der Verwaltung und eine große Gruppe Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen. Vollzählig reihten sich die Geschichtskurse des diesjährigen Abiturjahrgangs des Fritz-Reuter-Gymnasiums in die Menge, neben ihnen eine Abordnung der 10. Klassen der Nicolas-Born-Schule. 
Als sich die rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer mit dem dennoch mühsam fließenden Verkehr im Hintergrund arrangiert hatten, begrüßte Bürgermeisterin Mundhenk alle Anwesenden. Eindringlich machte sie deutlich, dass im Unrechtsregime der Nationalsozialisten Bürgerinnen und Bürger zu Außenseitern, Verfolgten und Opfern systematischer Tötung wurden, die zuvor in  selbstverständlichem Miteinander in Dannenberg gelebt hatten. Sie appellierte an die Achtung des Anderen auch in heutiger Zeit und unter den aktuellen Ereignissen.

Stolpersteine 4Während Gunter Demnig die 4 Steine für 4 Familienmitglieder der Familie Wolff in das Pflaster einfügte erläuterte Elke Meyer Hoos das Schicksal der Familie, die, seit langen Jahren in Dannenberg ansässig, 1938 fluchtartig und unter Druck Dannenberg und Deutschland verlassen hatte. Die Schülerinnen und Schüler des FRG legten einzeln ihre mitgebrachten Rosen an den Steinen nieder, untermalt von dezenter und exzellent vorgetragener Cellomusik zweiter Cellisten der Musikschule.
Von dort setzte sich die Menge in Bewegung, um sich kurze Zeit später nahezu komplett an der 2. Verlegestelle  in der Bahnhofstraße 3 wieder zu versammeln. Elke Meyer-Hoos berichtete über das Schicksal der Familie Friedländer, die bereits 1933 nach Jugoslawien geflüchtet war, was nicht verhindern konnte das Dr. Otto Friedländer der als Arzt in Dannenberg praktiziert hatte, 1943 in Theresienstadt ermordet wurde.
Auch hier legten die Schülerinnen und Schüler ihre Rosen nieder und ließen einen Kranz weißer Rosen auf dem Pflaster rund um die eingefügten Messingplatten mit Namen und Schicksal jeder einzelnen Person zurück, über die man nun auch in Dannenberg mit dem Kopf und dem Herzen, wie Gunter Demnig sagt, stolpern soll.

Stolpersteine 2Das Bistro des Dannenberger Ostbahnhofs war gut gefüllt an diesem Mittag, da einige Interessierte dort die Pause bis zum Beginn des Vortrags von Gunter Demnig bei Kaffee oder warmer Suppe verbrachten und zu einem Austausch nutzten.
Der Künstler schilderte anschließend, sicher für die meisten unerwartet, nicht nur die Geschichte rund um die Stolpersteine, sondern vor allem seinen künstlerischen Werdegang. Damit verschaffte er den Zuhörerinnen und Zuhörern auf lebendige und teilweise amüsante Weise einen Einblick in ein Künstlerleben und erläuterte gleichzeitig die Genese des Projektes, das nun zu seinem Lebenswerk geworden ist. Mit einem eindringlichen Beispiel vertrieb er die Frage nach der Routine seines Tuns und erklärte, dass er zwar inzwischen in der Lage sei, Steine auch im Dunkeln zu  verlegen, die Begegnung mit den Schicksalen aber niemals Routine werden könne.

Stolpersteine 3Stadtarchivarin Susanne Götting-Nilius zeigte sich anschließend sehr zufrieden mit der Veranstaltung und äußerte ihre Freude, dieses Projekt umgesetzt zu haben und damit auch in der entlegenen Kleinstadt Dannenberg eingebunden zu sein in das europaweite Projekt Stolpersteine, das sich zur größten dezentralen Gedenkstätte entwickelt hat.

Weitere Informationen finden Sie hier: Stolpersteine - Gedenken an das Schicksal jüdischer Familien in Dannenberg (Elbe)

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