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„In Gartow hilft Nachdenken“

Am Sonntag, dem 16. November 2014 wurde in Gartow beim Volkstrauertag den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht. Nach der Umbettung von 13 Kriegstoten im Jahr 2012 auf dem damals noch genannten Ehrenhain wurde über den Gemeinderat Gartow eine Arbeitsgruppe installiert, deren Ergebnisse sich auch auf den diesjährigen Volkstrauertag direkt auswirkten.

In der Ansprache von Samtgemeindebürgermeister Christian Järnecke ging dieser auf Zusammensetzung, die Arbeitsweise und die Umsetzung durch die Gemeinde Gartow ein (siehe Pressemitteilung 1/2014).

Bereits am Freitag gestand der Regionalbischof Dieter Rathing bei der Andacht auf der nunmehr genannten „Kriegsgräber- und Gedenkstätte / Alter Friedhof“ zur Aufstellung des Kreuzes ein, zu der Geschichte gehöre „die beschämende Erinnerung, dass dieses Zeichen in seiner christlichen Geschichte immer wieder auch missbraucht worden ist.“ Dennoch bleibe es das gute Zeichen des Christentums, gerade weil es auch Gedanken von Scham und Trauer, von Demut und Selbstkritik herausfordere. So möge auch das neue Kreuz an der Gedenkstätte „Gedächtnis an Leidende, Solidarität mit menschlicher Not, Trost für Opfer und Mahnung gegen Gewalt“ sein.

In diesem Sinne wies Pastor Eckhard Kruse darauf hin, der Alte Friedhof solle als Lernort dazu beitragen, dass auch Einzelschicksale sichtbar werden. Konfirmanden hätten ihn auf dem Alten Friedhof gefragt: „Warum steht auf dem Stein am Eingang eine Tabelle?“ Pastor Kruse gab ein Beispiel dafür, wie die im Ersten Weltkrieg allgemein verordnete „Kriegsbegeisterung“ von einzelnen in Frage gestellt wurde. „Vielleicht werden wir in unserem Urteilen über frühere Generationen ein wenig demütiger, wenn wir uns einzelner Menschen aus den Weltkriegen erinnern.“

Der Posaunenchor unterstrich seinen Satz „Krieg soll um Gottes Willen nicht sein“, indem er das musikalische Gebet intonierte: „Verleih uns Frieden gnädiglich!“

Als Vertreter der Gemeinde Gartow führte Hans-Udo Maury unter dem Thema „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte“, einem Satz von Heinrich Heine, aus, dass dieses für Menschen gilt, die das Glück hatten, nach einem satten Leben, alt, quasi vom Leben müde hier auf dem „Alten Friedhof“ begraben zu sein. Das Gedenken soll auch all denen gelten, die nicht alt starben, die ihr Leben noch nicht gelebt hatten. Menschen, die im Krieg starben, die Opfer des Krieges wurden. Unter jedem Grabstein – wenn Sie denn einen Grabstein haben – eine ganze Welt? – Nein, wohl eher Träume, Wünsche, Ziele. Unter jedem Grabstein ein nicht fertig gelebtes Leben. Ein vermeidbarer Tod!

Auf der Kriegsgräber- und Gedenkstätte / Alter Friedhof ruhen beispielhaft der 17-jährige deutsche Soldat, der russische Kriegsgefangene und die nach Deutschland verschleppte Fremdarbeiterin nebeneinander. Sie alle eint, in den Strudel eines sinnlosen Krieges hinein gerissen und darin umgekommen zu sein.

Man spricht von „Stolpersteinen“, die wir auch auf dieser Gedenkstätte finden. Aber jeder dieser Steine hat eine Geschichte und ein Gesicht. Es sei lohnenswert, jede dieser Lebensgeschichten aufzuarbeiten, die Gesichter wieder bildhaft zu machen und in die Gegenwart zu holen. Hier sehe er eine Aufgabe für die Zukunft. Letztlich führt er aus, dass unser Gedächtnis Stützen der Erinnerung braucht. Gedenktage wie Denkmale bringen zum Ausdruck, welche Ereignisse und Erfahrungen unserer Geschichte wir im Bewusstsein auch künftiger Generationen bewahren und als Lernort lebendig halten wollen.

Die Chorgemeinschaft Hannoversches Wendland unterstützte die Gedenkstunde musikalisch. Nach der Kranzniederlegung durch die Gemeinde Gartow, der Freiwilligen Feuerwehr Gartow, der Schützengilde Gartow sowie einer Abordnung der Bundeswehr dankte der Samtgemeindebürgermeister allen Teilnehmern, die an der Gedenkstunde teilgenommen haben.

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