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"Frauen im Aufbruch" - Ausstellung politischer Plakate im Kreishaus Lüchow

Zu den Kommunalwahlen in Würtemberg-Baden 1947 erschien dieses Plakat der SPD mit rundum positiver  Grundaussage. Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die vom 15. Januar bis zum 11. März 2015 im Kreishaus Lüchow zu sehen ist, zeigt anhand von Wahlplakaten die Werbung um die politische Beteiligung der Frauen in den drei wichtigen demokratischen politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts: 1918/19, 1945/49 und 1989/90.

Die ersten zehn Plakate der Ausstellung entstanden zu den Wahlen zur Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919. Diese Wahlen waren nicht nur de Auftakt zur ersten deutschen Demokratie. Sie waren darüber hinaus Premiere für das neu eingeführte Frauenwahlrecht. Die Parteien versuchten dementsprechend, unabhängig von ihrer vorherigen Einstellung zum Frauenwahlrecht, die Frauen gezielt anzusprechen. Dabei verknüpften die Parteien ihre jeweilige Weltanschauung mit stereotypen Vorstellungen von "der Frau": Sie wird in den Plakaten als Mutter, als friedfertiges Wesen oder auch als gläubige Katholikin angesprochen.

Der Alltag der deutschen Nachkriegsgesellschaft ab 1945 war stark weiblich geprägt: Frauen bildeten nicht nur die Mehrzahl, sie waren bereits während des Zweiten Weltkriegs auch in den zuvor von Männern dominierten Bereich der Arbeit eingedrungen. In den elf ausgestellten Wahlplakaten jener Zeit wird dies zunächst nicht thematisiert. Stattdessen schlägt sich die Erfahrung des Kriegs, wie auch schon nach dem Ersten Weltkrieg, in einer besonders moralischen Ansprache der Frauen nieder. Sie erschienen auf den Plakaten als trauernde Mütter, als Erinnerung an eine schlimme Vergangenheit, aber auch als besonders verantwortliche Trägerinnen einer friedvollen Zukunft.

Die CDU setzt zu den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 1946 die Tradition des Zentrums fort, die Frau als Hüterin der Familie anzusprechen. Das Fehlen des Mannes in der abgebildeten Familie verweist auf die zurückliegende Kriegszeit. Mit der Friedlichen Revolution und der deutsch-deutschen Vereinigung 1989/90 trafen zwei sehr unterschiedliche politische Kulturen aufeinander. Die zehn Plakaten aus dieser Zeit zeigen besonders deutlich die sehr unterschiedliche Ansprache von Frauen in Ost und in West.

Zur Ausstellung sind drei Flyer mit Hintergrundinformationen erhältlich, die hier zum Download zur Verfügung stehen:

Die Ausstellung der Reihe "KuK 2014 – Kunst und Kultur im Kreishaus Lüchow" ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

 

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