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Treuer Helfer in früheren Zeiten: Der Garnkugelhalter

Ein Garnkugelhalter: Täglicher Helfer beim Stricken und Häkeln. Foto: Klaus MayhackDas Rundlingsmuseum in Lübeln stellt ab Samstag, den 17. Oktober 2020 für vier Wochen ein neues „Exponat des Monats“ in den Mittelpunkt, diesmal: ein Garnkugelhalter.

„Waren das noch Zeiten, als man – genauer gesagt: Frau – sich in jeder Minute befleißigte, produktiv zu sein!“, schwärmt Museumsleiter Uwe Hils. Nichtsstun stand in vorindustrieller Zeit noch mehr als heute ziemlich weit unten auf der moralischen Leiter. Und wichtiger noch: Solange es weder Strickmaschinen noch globalen Textilhandel gab, kam man oder frau kaum umhin, bei jeder passenden Gelegenheit ein paar Runden an den neuen Wintersocken zu stricken.

Die Garn- oder Strickkugel, die das Rundlingsmuseum vorstellt, ist da eine ganz praktische Sache: Die Kugel ist aufklappbar. Das Garnknäuel wird hineingelegt, der Faden durch eine eigens dafür vorgesehene Öffnung im Deckel geführt und der Deckel wieder verschlossen. So kann das Knäuel nicht wegrollen und der Faden sich auch nicht verheddern.

Der Garnkugelhalter, den das Museum zeigt, konnte am Fuß fest mit dem Untergrund – beispielsweise auf oder unter einem Tisch – verschraubt werden. Andere Garnkugelhalter waren aus leichterem Material und wurden für unterwegs mitgenommen, „etwa, wenn man zum Abendplausch zur Nachbarin ging“, so Uwe Hils.

Die ausgestellte Garnkugel ist aus einfachem Metallguss, was auf eine weite Verbreitung hinweist. Für die gehobeneren Bevölkerungsschichten gab es aber auch Holzmodelle, die mit zierlichen Figuren bemalt waren und das Handwerk des Strickens an sich würdigten. „Sogar auf den Altären von Kirchen in Bologna oder Buxtehude findet man Darstellungen von Maria als strickender Muttergottes: viel mehr Anerkennung dieser Tätigkeit ist ja kaum vorstellbar!“ meint der Museumsleiter.

Als alte Handwerkskunst ist das Stricken etwa von Schals oder Pullovern auch heute noch weit verbreitet. Die Anfänge des Strickens liegen im Dunkeln, belegte Strickfragmente reichen bis in das 7. bis 9. Jahrhundert zurück. Schriftliche Erwähnungen vom Stricken als Gewerbe gibt es ab dem 13. Jahrhundert, für Deutschland sind die Nürnberger Hosen- und Strumpfstricker um 1600 die erste belegte Gilde.

Das Museum ist noch bis Ende Oktober außer montags täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Rundlingsmuseum Wendland in Lübeln ist eins von dreizehn Museen im Wendland und Mitglied im Museumsverbund Lüchow-Dannenberg e. V.: www.museen-wendland.de.

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