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ASB und ehrenamtlich engagierte Menschen leisten gute Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft „Dorf Neu Tramm“ (11.06.2024)
Landkreis Lüchow-Dannenberg (PM 89/2024)

Im Rundlingsdorf Neu Tramm wird bereits täglich Deutschunterricht für Geflüchtete angeboten; bislang gibt es einen Klassenraum. Es gibt auch einen Deutschkurs speziell für Frauen. In dem Klassenraum stehen neben den Schulbänken im hinteren Bereich auch Sofas; viele Frauen bringen ihre kleinen Kinder mit in den Unterricht und legen sie dort schlafen. Landkreis und ASB sehen den Bedarf an Sprachkursen, weitere Klassenräume sind geplant und entsprechende Lehrkräfte werden gesucht.

„Was ich den Menschen hier mitgeben möchte: Lernt die Sprache!“, sagt Tim Helms, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft „Dorf Neu Tramm“. „Sie ist die Basis einer gelingenden Integration.“ Das Ziel der Integration wird auch durch viele engagierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gefördert und mitgetragen. So hat das Café Zuflucht in Dannenberg bereits damit begonnen, mithilfe des ASB im „Dorf Neu Tramm“ eine Fahrradwerkstatt einzurichten.

Klaus Zimmermann vom Café Zuflucht ist zufrieden, die Zusammenarbeit funktioniere; er nennt ein Beispiel: „Wenn wir Ersatzteile für die Fahrradreparatur brauchen, ist das überhaupt kein Problem.“ Auch in vielen anderen Situationen gebe es eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit dem ASB und dem Landkreis. „Probleme werden offen angesprochen und Lösungen gesucht.“ Die Ehrenamtlichen vom Café Zuflucht bieten seit 2015 einen Anlaufpunkt für Geflüchtete in Dannenberg und unterstützen sie. Es gibt eine Nähwerkstatt, Hilfe bei Schularbeiten oder Einzelunterricht für Deutsch. Im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt der Landkreis Flüchtlingsinitiativen finanziell. Es sind freiwillige Leistungen des Landkreises.

Zusätzliche Angebote und Infrastruktur in der Gemeinschaftsunterkunft

Landesweit stellen sich Kommunen den Herausforderungen, geflüchtete Menschen unterzubringen. Aufgrund knappen Wohnraums werden Menschen in ehemaligen Kaufhäusern, Hallen ohne Fenster und Tageslicht, in Kasernen oder Containerbauten untergebracht.

Dem Landkreis Lüchow-Dannenberg ist es über lange Zeit gelungen, Geflüchtete in Wohnungen unterzubringen. Angesichts des wachsenden Bedarfs sind leider keine Wohnungen mehr zu finden. Gemeinsam mit der Kreispolitik hat die Verwaltung Lösungen für die Gemeinschaftsunterkunft erarbeitet, welche eine umfangreiche Versorgung, Betreuung und Integration gewährleisten.

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat mit der Gemeinschaftsunterkunft „Dorf Neu Tramm“ einen großzügigen Ort mit zusätzlicher Infrastruktur für geflüchtete Menschen geschaffen. Es handelt sich um eine Art Rundlingsdorf mit größeren Fachwerk-Gemeinschaftshäusern. In der Gemeinschaftsunterkunft ist ein medizinisches Sprechzimmer eingerichtet. Das Gesundheitsamt bietet dort Hilfe bei medizinischen Fragen an und Kooperationen mit Ärzten für die medizinische Versorgung werden angestrebt. Weiterhin gibt es einen Kiosk mit kleinem Café und die bereits erwähnten Unterrichts- und Werkstatträume. Seit Beginn der Belegung bietet der ASB den Bewohnerinnen und Bewohnern gebrauchte Kleidung kostenlos an. In Kürze soll es eine Kleiderkammer in Form eines „Umsonst“-Kaufhauses geben. Der parkähnliche Außenbereich bietet einen geschützten Raum für Kinder. Ein Spielplatz wird eingerichtet. Gerne können Bobbycars, Laufräder oder Kinderfahrräder gespendet werden.

Offen für Kritik

Der Landkreis und der ASB haben gemeinsam den Flüchtlingsrat Niedersachsen in die Gemeinschaftsunterkunft „Dorf Neu Tramm“ eingeladen, um über mögliche Änderungen oder Verbesserungen zu sprechen, um so von den Erfahrungen des Flüchtlingsrates zu profitieren. ASB und Landkreis sind offen für konstruktive Anregungen und nachvollziehbare Verbesserungsvorschläge. Jedoch kursierten in den vergangenen Wochen offene Briefe und Flugblätter mit unrealistischen Forderungen und Falschaussagen.

Die Darstellungen einer einzelnen Initiative und Einzelpersonen in der Öffentlichkeit, die die Unterkunft als „menschenunwürdig“ oder „Sammellager“ bezeichnen oder dem Landkreis das Ziel vorwerfen, die Lebensbedingungen der Geflüchteten zu verschlechtern, weist der Landkreis entschieden zurück.

Der Landkreis versucht, die zugewiesenen Menschen in Kooperation mit dem ASB bestmöglich unterzubringen. Um Sachverhalte und Beschwerden nachvollziehen und bearbeiten zu können, ist es wichtig, dass diese gegenüber dem Landkreis von den betroffenen Personen konkretisiert werden. Dazu hat der Landkreis für Bewohnerinnen und Bewohner eine Beschwerdestelle eingerichtet.

Konstruktive Kritik und besondere Lebenslagen oder Schutzbedürftigkeit von zugewiesenen Personen werden immer im Rahmen der Möglichkeiten besonders berücksichtigt.

Es gibt ein Gewaltschutzkonzept, insbesondere für Kinder und Jugendliche, Frauen, aber auch LGBTI-Geflüchtete. LGBTI-Personen gehören aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung zu den besonders vulnerablen Gruppen und erfahren Diskriminierung und Gewalt nicht nur in ihren Heimatländern, sondern häufig auch im Zielstaat und in Unterkünften. So gibt es im „Dorf Neu Tramm“ extra Räume für schutzbedürftige Menschen; auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung werden berücksichtigt.

Im Vorfeld hatte der Landkreis zwei Versammlungen für Bürgerinnen und Bürger angeboten; die dort diskutierten Vorschläge, Verbesserungsmöglichkeiten oder Sorgen wurden ernst genommen und in das Konzept eingearbeitet.

Falsche Hoffnungen gefährden Integration und gesellschaftliches Zusammenleben

Es hat den Anschein, dass Beschwerden der vergangenen Wochen von außenstehenden Personen / Initiativen gezielt beeinflusst oder gesteuert wurden. Wenn überzogene und unrealistische Forderungen erhoben werden, dient dies nicht einer Integration und einem gesellschaftlichen Zusammenleben.

So ist die Forderung einer Rundumbetreuung mit einer zeitlich sehr umfangreichen Arztsprechstunden und einer 24-stündigen Anwesenheit medizinischen Personals nicht realistisch. Neben dem Sicherheitsdienst ist in der Unterkunft rund um die Uhr eine Betreuungskraft für Geflüchtete ansprechbar. Der ASB bietet außerdem eine mobile Betreuung für alle Geflüchteten im Landkreis an.

Der grundsätzlich verständliche Wunsch von Bewohnerinnen und Bewohnern nach jeweils eigenen Küchen ist nachvollziehbar, aber bau- und brandschutzrechtlich in der angemieteten Immobilie leider nicht realisierbar.

Um dennoch ein Angebot zu schaffen, hat der Landkreis gemeinsam mit dem ASB eine erste kleine Küche mit einer Grundausstattung im Gemeinschaftsbereich eingerichtet, weiterhin soll eine Küche mit vier einzelnen Kochinseln als zusätzliches Angebot geschaffen werden.

Gemeinschaftsverpflegung für Geflüchtete und Kindergärten

Wie in anderen Gemeinschaftsunterkünfte erfolgt die Verpflegung über ein Catering-Unternehmen, welches neben dem „Dorf Neu Tramm“ auch andere Gemeinschaftsunterkünfte, Altenheime und Kindergärten beliefert. Neben einem Frühstücksbuffet mit Brötchen, Heiß- und Kaltgetränken gibt es täglich zwei Mittagessen mit Beilagen und Dessert zur Auswahl, abends wird ein weiteres Buffet angeboten. Schulkinder bekommen täglich eine extra Schulverpflegung mit geschmierten Broten, Obst und Getränken zubereitet.

Das Catering-Unternehmen geht auch auf Wünsche von Geflüchteten ein, so würden inzwischen mehr Gerichte mit Reis angeboten.

In der Öffentlichkeit kursieren einzelne anonyme Berichte, dass Menschen sich nach dem Essen schlecht fühlten, vergiftet worden seien oder sich aufgrund von Magenproblemen übergeben müssten. Konkrete Fälle sind dem ASB nicht bekannt und es wurde auch keine medizinische Hilfe angefordert. Wenn Forderungen und Probleme nur anonym über Flugblätter, Unterschriftenlisten oder Dritte kommuniziert werden, kann keine konkrete Hilfe angeboten werden.

Berichte, die dem Landkreis über Dritte zugespielt werden, dass einzelne Geflüchtete für drei Tage das Kantinenessen verweigern wollten, können wir nicht bestätigen. Veröffentlichungen wie die Ankündigung eines Essensboykotts, in den auch die Kinder einbezogen werden sollten, führen natürlich zu Reaktionen des Landkreises im Hinblick auf intensive Beobachtung, weil dies in der Umsetzung eine Kindeswohlgefährdung darstellen würde. Das Team des ASB achtet entsprechend auf die Ernährung der Minderjährigen. Die Schulkinder nehmen weiterhin ihre Essensboxen mit der Schulverpflegung an.

Der Landkreis ist im guten und regelmäßigen Austausch mit dem ASB und den Flüchtlingsinitiativen im Landkreis. Probleme und mögliche Lösungen werden zeitnah miteinander besprochen. Zusätzlich gibt es regelmäßig einen Runden Tisch Migration, wo alle Beteiligten gemeinsam zusammenkommen. Darunter ist auch Susanne von Imhoff, die seit Jahren geflüchtete Menschen in Gartow und im gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg begleitet. Gemeinschaftsunterkünfte findet sie nicht optimal. Bei vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gebe es auch viele Probleme, „aber ich weiß, wie schwierig es ist, Wohnungen zu finden.“ Zwei Frauen sind kürzlich vom „Dorf Neu Tramm“ in die Samtgemeinde Gartow gezogen. Das ASB hat diese begleitet, mit den Mitarbeitenden des ASB habe von Imhoff gute Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich können Geflüchtete in angemessene Wohnungen ziehen, die ihnen angeboten werden. Und dafür wirbt Susanne von Imhoff.

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