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Charaktervogel der Nemitzer Heide: Wiedehopf ist „Vogel des Jahres 2022“ – Schutzmaßnahmen sind unbedingt einzuhalten! (26.04.2022)
Landkreis Lüchow-Dannenberg (PM 104/2022)

Wiedehopf- Foto: Hans-Jürgen KelmEr ist ein echter Hingucker – mit seinem langen Schnabel und dem orangenen Federkamm mit den schwarzen Spitzen. In Niedersachsen galt der Wiedehopf lange als ausgestorben, seit 2009 brütet er jedoch wieder in der Nemitzer Heide. Seitdem ist er der auffälligste Charaktervogel dieser Kulturlandschaft. Mit großem Vorsprung ist der Wiedehopf jetzt im Rahmen einer Online-Abstimmung des NABU zum „Vogel des Jahres 2022“ gewählt worden. 

Der Wiedehopf gilt als sehr Wärme liebende Art. „Als ein typischer Vogel des Offenlands findet er in der Nemitzer Heide ideale Lebensbedingungen“, erklärt Dr. Corinna Ebeling von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Denn die offenen, trockenen Magerrasen und extensiven Heideflächen bieten ihm ausreichend Nahrung: „Auf dem Speisezettel des Wiedehopfs stehen insbesondere Heuschrecken, Käfer, Grillen und Schmetterlingsraupen, manchmal sogar kleine Eidechsen, zur Brut nutzt der Wiedehopf vor allem Baumhöhlen, aber auch Mauernischen oder sogar Erdlöcher und Steinhaufen.“ 

Da die Heideflächen kaum natürliche Baumhöhlen oder ähnliche Unterschlupfe bieten, wurden Nistkästen aufgehängt, die jährlich gewartet und kontrolliert werden. „So konnte der Bestand inzwischen auf knapp zehn Brutpaare in der Nemitzer Heide ansteigen“, freut sich Ebeling. Möglich wurde diese Maßnahme dank einer Förderung durch den Naturpark Elbhöhen-Wendland und die Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN.

„Insbesondere zur Fortpflanzungszeit ist die Art jedoch sehr störungsempfindlich“, warnt Ebeling. Zum Schutz des Wiedehopfs und seltener Bodenbrüter wie der Heidelerche oder dem Ziegenmelker ist darum das im Naturschutzgebiet Nemitzer Heide geltende Wegegebot dringend einzuhalten. „Das bedeutet, dass Spaziergänger die Wege nicht verlassen dürfen!“, erklärt Ebeling. „Hunde sind hier außerdem ganzjährig an der Leine zu führen, bei Verstößen droht ein Bußgeld.“

Wiedehopfe dürfen auch bei der Nahrungssuche nicht gestört werden, insbesondere dann nicht, wenn sie nach Insekten auf dem Boden für ihre Jungen suchen. „Es besteht sonst die Gefahr, dass die Jungen nicht rechtzeitig mit ausreichend Futter versorgt werden“, erklärt Ebeling. „Leider kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, dass die Bruthöhlen von Fotografen und Besuchergruppen umlagert wurden und den Futter bringenden Wiedehopf so daran hinderten, seinen Brutplatz aufzusuchen.“

Inzwischen ist der äußerst seltene Vogel nicht mehr nur in der Nemitzer Heide heimisch. „Im letzten Jahr konnten an weiteren rund 15 Stellen im Kreisgebiet Reviere des Wiedehopfes nachgewiesen werden“, sagt Ebeling. Sie führt dies auf die die Klimakrise mit trocken-warmen Frühjahren zurück.