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„Zwischen Sachsen, Slawen und Franken“ – Vortrag von Dr. Felix Biermann in Lüchow

Über lange Phasen des Mittelalters war die Elbregion zwischen Hannoverschem Wendland, Altmark, Prignitz und Mecklenburg eine Grenz- und Kontaktzone in mehrfacher Hinsicht: Seit dem 7. Jahrhundert grenzten hier elbslawische und sächsische Siedlungsgebiete aneinander. Auf Einladung des Wendischen Freundes- und Arbeitskreises wird Dr. Felix Biermann am Donnerstag, den 19. April um 19.30 Uhr im Lüchower Amtshaus über diese bewegten Zeiten berichten.

Der Frankenherrscher Karl der Große dehnte in den Sachsenkriegen (772-804) seine Herrschaft bis zur Elbe aus, womit der Flusslauf zugleich zu einer religiösen Scheidelinie wurde: Die fränkischen Territorien westlich des Flusses wurden nach und nach christianisiert, die Slawen östlich des Stroms blieben jedoch ihren traditionellen heidnischen Göttern treu. Unter dem ottonischen König Heinrich I. wurden die Slawen nach 928/29 zwar dem Ostfränkischen Reich unterworfen, doch konnten letztere im großen Lutizenaufstand von 983 ihre Unabhängigkeit wiedergewinnen. So wurde der Elbraum für weitere anderthalb Jahrhunderte, bis ins 12. Jahrhundert, wiederum zur Grenze zwischen Deutschem Reich und eigenständigen slawischen Stammesgebieten, zwischen christlichen und heidnischen Gruppen.

Über diese bewegten Zeiten, die von kriegerischen Konflikten, aber auch von friedlichem Austausch im Handel und fruchtbaren kulturellen Kontakten geprägt waren, informieren einerseits historische Quellen, unter denen die Chroniken des Corveyer Mönchs Widukind und des Merseburger Bischofs Thietmar besonders hervorgehoben seien. Andererseits künden archäologische Denkmale, vor allem die heute meist einsam in Wald und Wiesen gelegenen Burgwälle, von jener Zeitspanne: Mächtige Befestigungen wie jene auf dem Höhbeck oder bei Lenzen bilden bis heute eindrucksvolle historische Zeugen einer Epoche, in der an der Elbe Geschichte gemacht wurde, die bis heute nachwirkt.

In den letzten Jahren haben zahlreiche Ausgrabungen diese archäologischen Quellen erschlossen und zum Sprechen gebracht; die spannenden Forschungsergebnisse, immer bessere Datierungsmethoden für die Bodenfunde sowie deren Verknüpfung mit den historischen Überlieferungen ermöglichen eine detaillierte und lebensvolle Rekonstruktion der damaligen Entwicklungen und Ereignisse.

Über Dr. Felix Biermann

Dr. Felix Biermann hat Ur- und Frühgeschichte in Münster, Marburg, Bamberg und Berlin studiert, Promotion in Berlin, Habilitation in Greifswald, Dozentueren, Gastprofessuren und Stipendien unter anderem an den Berliner Universitäten, in Warschau, Breslau, Göttingen, Halle/S. und Frankfurt/M.,  Forschungen zur Mittelalter-Archäologie im ostmitteleuropäischen Raum mit einem Schwerpunkt auf der slawischen Archäologie.

Weitere Informationen
Wendischer Freundes- und Arbeitskreis e. V.
1. Vorsitzender Ernst Stelte
Tel.: 05841 / 68 97
E-Mail: Wendischer-Freundeskreis@gmx.de

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