Landkreis Lüchow-Dannenberg

"Slawen und Deutsche im Hannoverschen Wendland" von Henning Schröder

{FOTO Buchtitel: "Slawen und Deutsche im Hannoverschen Wendland" von Hennings Schröder}

Sprachforscher Henning Schröder fragt in seinem kürzlich erschienenen Buch nach den unterschiedlichen Deutungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten der "Wenden" in der frühen Neuzeit.

Sind die heutigen Bewohner des Wendlands "anders", "besonders" oder gar "sonderbar"? Bis heute hält sich hartnäckig die Vorstellung, das Wendland und die Menschen, die hier zuhause sind, hätten ihre Eigenheiten. Begründet wird dies gerne mit der slawischen Vergangenheit der Region. So hieß es über die Slawen - umgangssprachlich "Wenden" genannt - beispielsweise: "Jhr gröste weldtlüst ist freßen vndt sauffen […], ihr erstes, ihr letztes, ihr aller bestes." Eine derartig diffamierende stereotype Sichtweise auf den slawischstämmigen Bevölkerungsteil des Hannoverschen Wendlands war in der frühen Neuzeit, als Slawen und Deutsche nebeneinander im Gebiet des heutigen Hannoverschen Wendlands lebten, durchaus typisch.

Doch wie entstanden solche Urteile und wie konnten sie so lange Bestand haben? Die Sprache der Slawen, das Dravänopolabische, das als das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen Deutschen und Slawen gelten kann, ging bereits im 18. Jahrhundert unter. Und auch die noch lange lebendige Unterscheidung von slawischen "Heiden" und deutschen Christen war seit der Christianisierung der Elbslawen im Mittelalter eigentlich obsolet.

Der aus Clenze stammende Henning Schröder widmet sich in seinem Buch "Slawen und Deutsche im Hannoverschen Wendland" mit einem wahrnehmungsgeschichtlichen Ansatz den facettenreichen Deutungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten des jeweils Anderen in dieser deutsch-slawischen Kontaktzone in der Frühen Neuzeit. Er stellt dabei fest: Die artikulierten Unterschiede zwischen Slawen und Deutschen waren offenbar weniger ethnisch als vielmehr sozial bzw. sozioökonomisch begründet.

Schröders Buch ist in der Publikationsreihe "Göttinger Forschungen zur Landesgeschichte" des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen (Verlag für Regionalgeschichte) erschienen und ist für 14 Euro im Buchhandel erhältlich.




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