Landkreis Lüchow-Dannenberg

Projekte

"Kali und Leinen" - Ausstellung im Museum Wustrow (2005-2007)

Industrialisierungsansätze im Raum Wustrow 1874 bis 1928

Fünf rauchende Schlote auf einer historischen Ansichtskarte von Wustrow Leinenfabrik und Kaliwerke waren einmal die wichtigsten Arbeitgeber im bis heute strukturschwachen Landkreis Lüchow-Dannenberg. Das kleine Städtchen Wustrow war für eine kurze Zeit das industrielle Zentrum der Region. Die Auswirkungen der 1926 gescheiterten industriellen Hoffnung haben sich bis heute in das Bild Wustrows und seiner Umgebung eingeschrieben. Landschaftsveränderungen, zeitgenössische Gebäude und Verkehrswege zeugen von der industriellen Vergangenheit.

Die sozialgeschichtliche Ausstellung „Kali und Leinen“ des Museums Wustrow (eröffnet im April 2005) zeigte bis 2007 ein Stück Industriegeschichte des Wendlandes. Ansatz und Schwerpunkt der musealen Darstellung ist die Verknüpfung der jeweiligen Werksgeschichte mit den Biografien und Schicksalen der beteiligten Unternehmer (Leinen) und der Arbeiter (Kali).

Das Stammhaus der Firma Wentz in WustrowDie Raumideen knüpfen an konkrete Orte an: den Websaal, das Lohnkontor, die Gaststätte, in der die Industriearbeiter, Bauern und Bürger Wustrows sich trafen oder das Labor, in dem die Kalisalze analysiert wurden.

Ein gußeiserne Webmaschine, produziert von Wilson und Longbotton, Leeds, um 1900, ist das gewichtigste Symbol der dargestellten Leinenweberei Friedr. & E. Wentz. Das Original-Belegschaftsbuch ist biographische Quelle der damals beschäftigten Kaliarbeiter. Der Besucher kann Daten von rd. 2400 Kaliarbeitern über ein Terminal abfragen. Die wirtschaftlichen und mentalitätsgeschichtlichen Folgen dieses punktuellen Industriebooms auf dem Lande werden in Hörspielen als fiktive Wirtshausdebatten präsentiert. In den Kellerräumen des Museums wird als Dauerausstellung ein Teil der Technikgeschichte des Kaliwerkes nachempfunden und erklärt und auf dem Museums-Hof ist eine Deutz-Benzollokomotive, Bj. 1913, aus dem Werk Teutonia zu sehen.

Integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein Industriegeschichtspfad in Wustrow und Umgebung zu 23 Stationen von erhalten gebliebenen Industriedenkmälern. Dazu gehört auch das Museumshaus, früheres Wohnhaus der Weberei-Unternehmer, dessen Fassade mit Hilfe des Lüneburgischen Landschaftsverbandes im Jahr 2004 restauriert wurde. Als Wegweiser auf dem Geschichtspfad dient eine begleitende Broschüre, die wir unter dem Menü-Punkt "Lesenswert" näher vorstellen.

Zur Ausstellung ist eine gleichnamige Publikation erschienen, die im Herbst 2005 vorgestellt wurde.



Ausstellungsteam und Förderer

In dem seit 2000 laufenden Forschungsprojekt „Kali und Leinen“ wurden durch Dr. Ulrich Brohm (Historiker; Bereich Leinen), Elke Meyer-Hoos, (Historikerin M.A.; Bereich Stadt Wustrow) und Ulrich Reiff (Kulturhistoriker M.A.; Bereich Kali) in Kooperation mit dem Institut für Kulturanthropologie der Universität Göttingen und dem Historischen Seminar der Universität Hannover die wissenschaftlichen Grundlagen für das Ausstellungsvorhaben erarbeitet.
Ulrich Reiff setzte verantwortlich die inhaltliche Konzeption in dieser Ausstellung um und die „Ausstellungsgestaltung und Museumsberatung ikon, Hannover“ übernahm die gestalterische Konzeption.



Die Ausstellung wurde gefördert durch:

  • Land Niedersachsen
  • Niedersächsische Sparkassenstiftung
  • Kreissparkasse Lüchow-Dannenberg
  • Niedersächsische Lottostiftung
  • Europäische Gemeinschaft
  • Lüneburgischer Landschaftsverband
  • Agentur für Arbeit Uelzen/Lüchow
  • Museumsverbund Lüchow-Dannenberg e. V.
  • Stadt Wustrow
  • Landkreis Lüchow-Dannenberg
  • Bergmannsverein „Glück Auf“ Wustrow und Umgebung
Der Museumsverein Wustrow e.V. hat mit erheblichen Eigenmitteln zum Entstehen beigetragen.