Landkreis Lüchow-Dannenberg

Projekte

GORLEBEN sammeln! (2002/2003)

Eine Austellung als Plädoyer für das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln eines bedeutsamen Kapitels wendländischer Regionalgeschichte und -gegenwart

Kunstwerk Gorlebenmensch. Foto: Jenny RaederIm April 2002 wurde unter Schirmherrschaft des Museumsverbunds Lüchow-Dannenberg im zeitgeschichtlichen Museum Wustrow die Werkstattausstellung "GORLEBEN sammeln – Plädoyer für eine zentrale Dokumentations- und Forschungsstätte" eröffnet und war dort bis Mai 2003 zu sehen.

GORLEBEN - Schnittstelle lokaler, regionaler, Landes- und Bundesbelange: Hier überlagern sich staatliche und industrielle, private und gesellschaftliche Interessenfelder. Tausende und Abertausende von Dokumenten, wie Zeitungsartikel, Flugblätter, Fotos, Videos, TV-Berichte, wissenschaftliche Abhandlungen und lebensgeschichtliche Erinnerungen, parlamentarische Debatten und juristische Expertisen, Informationsschriften und Leserbriefe zeugen von dieser Konflikt-Konstellation. Wie ist mit diesem Materialberg umzugehen?



Patchwork-X als Zeichen des Widerstands. Foto: Jenny RaederWie könnte ein unabhängiges Gorleben-Archiv aussehen?

Wie erinnert man in einem solchen Archiv beispielsweise an die Menschen, die die Auseinandersetzung um Gorleben in den vergangenen Jahren geprägt haben? Wie wollen diese Menschen selbst, dass man sich an sie erinnert? Wie kann eine zentrale Doku-Stätte Gorleben den Menschen überhaupt gerecht werden? Wie wird sie den Menschen gerecht, deren Namen nicht in den Medien auftauchen und die dennoch in irgendeiner Weise mit Gorleben verbunden sind: Die Gorlebener Bäckersfrau, die Schülerin, die eine Schule besucht, die direkt an der Castor-Transportstrecke liegt etc. Und welche Bedeutung sollen die Medien in einer Doku-Stätte zugewiesen werden: die Printmedien, Rundfunk- und Fernsehsender, das Internet? Inwieweit beeinflussen die Medien die Wahrnehmung "Gorlebens"? Inwieweit beeinflussen sie das öffentliche Bild des "Widersetzers" oder auch des "Atom-Jüngers"?

Dies waren nur einige der Fragen, zu deren Beantwortung die Ausstellung anregen wollte. Als die Ausstellung im April ihre Türen öffnete, erwartete die Besucher keine „fertige“ Ausstellung, sondern eine mit vielen Lücken und Leerstellen. Die Ausstellung hatte Werkstattcharakter. Die Besucher selbst waren gefordert, Antworten zu finden und ihren Beitrag zu leisten.

Mit den Räumen

  • Demoschild vom Gorlebentreck nach Hannover 1979. Foto: Jenny RaederSammelgut
  • Anlagen
  • Menschen
  • Recht
  • Medien
  • Ansätze historischer Aufarbeitung
  • „Konflikt – Dialog – Kunst – Historie“
  • „Ein ideales Dokumentationshaus“
verdeutlichte die Ausstellung eine erste Sammlungs-Idee dieses umfangreichen Themenkomplexes.



Ein notwendiger Hinweis

Museumsverbund und ausrichtendes Museum bezogen keine politische Position und ließen sich nicht vereinnahmen. Weder „musealisierte“ die Idee einer Dokumentationsstätte die Auseinandersetzung um Gorleben, noch lenkte sie von den realen Problemen ab oder wollte sie gar verniedlichen.



Gorleben-Archiv e. V.

Auf Initiative von Mitgliedern verschiedener Widerstandsgruppen  ist zwischenzetilich der Verein "Gorleben Archiv e. V." gegründet worden. In Abgrenzung von der Initiative des Museumsverbunds Lüchow-Dannenberg beschränkt sich dieses jedoch auf die Sicherung der Geschichte des Gorleben-Widerstands. Ziel des Vereins ist laut Satzung die "Sicherung und Sammlung des vorhandenen und inzwischen historisch bedeutsamen Materials über den Protest gegen die Umweltgefahren im Landkreis Lüchow-Dannenberg." Weitere Informationen gibt es unter www.gorleben-archiv.de.