Landkreis Lüchow-Dannenberg
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Broschüre zu „Stolpersteinen“ in Lüchow-Dannenberg erschienen

06.05.2015 | Museumsverbund Lüchow-Dannenberg - 30|2015

Seit Anfang März erinnern in Lüchow und Dannenberg in die Bürgersteige eingelassene „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig an die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten jüdischen Familien Mansfeld, Friedländer und Wolff. Dank vieler privater Spenden konnte das Museum Wustrow jetzt eine Broschüre herausgeben, die die Verfolgten und ihre Lebens- und Leidenswege näher vorstellt.

Broschüre "Stolpersteine im Landkreis Lüchow-Dannenberg". Foto: Jenny Raeder„Mit Einlieferung in ein Konzentrationslager verloren die Menschen ihre Individualität. Sie wurden fortan als Nummern geführt. Der kleine Gedenkstein bringt mit dem eingravierten Namen die Opfer zurück an die Orte ihres Lebens“, erläutert die Initiatorin der Stolperstein-Aktion Elke Meyer-Hoos vom Museum Wustrow. Mit der begleitenden Broschüre bekommen die Namen auf den Stolpersteinen nun auch ein Gesicht.

Die Brüder Siegmund und Willi Mansfeld betrieben in Lüchow einen Handel mit Rohprodukten. Ihre Familie war bereits seit fast 150 Jahren in Wustrow, später in Salzwedel und ab 1910 in Lüchow ansässig, als zwischen 1941 und 1942 zehn Familienmitglieder deportiert wurden. Sie alle kamen in der Shoah um.

Die Familie Wolff hatte bereits seit 1778 ihr Zuhause in der Marschtorstraße 4 in Dannenberg. Ernst Wolff – die fünfte Generation – hatte von seinem Vater ein Handelsgeschäft für Felle, Leder und Rohprodukte übernommen, Zeitgenossen erinnern sich an ihn als integrierten angesehenen Kaufmann. Auf nationalsozialistischen Druck verließ die Familie Wolff 1938 ihre Heimatstadt und wanderte – nach einem Zwischenstopp in Hamburg – nach Uruguay aus.

Dr. Otto Friedländer hatte sich 1919 als praktischer Arzt in Dannenberg niedergelassen. Er praktizierte 14 Jahre lang erfolgreich, bis er sich 1933 gezwungen sah, mit Frau und Tochter nach Jugoslawien auszuwandern, denn „nicht-arischen“ Ärzte war ab 1933 die Zulassung zu den Krankenkassen verboten. Von Mähren aus, wohin die Familie umgezogen war, wurde Otto Friedländer zwangsweise in das Judenghetto Ungarisch Brod umgesiedelt. Vermutlich im Februar/März 1943 wurde er schließlich nach Theresienstadt deportiert, wo er im Herbst desselben Jahres umkam.  

Die Broschüre „Stolpersteine im Landkreis Lüchow-Dannenberg“ ist kostenlos im Museum Wustrow, in den Stadtverwaltungen in Dannenberg und Lüchow sowie im Kreishaus Lüchow erhältlich.

Das Museum Wustrow ist eins von dreizehn Museen in Elbtalaue und Wendland und Mitglied im Museumsverbund Lüchow-Dannenberg e. V.: www.museen-wendland.de.

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