Hochwasserschutz

Hochwasserschutz in Hitzacker

Die vor 750 Jahren gegründete Stadt Hitzacker liegt im Überschwemmungsgebiet der Elbe.Der Altstadtkern von Hitzacker war seit der Stadtgründung häufigen Überflutungen der Elbehochwasser ausgesetzt. Die Hochwasser nach dem Zweiten Weltkrieg (1947, 1954, 1958, 1965,1974/75, 1981, 1988) haben Randbereiche und Teile von Straßen in der Altstadt überflutet.Dramatisch veränderte sich die Hochwassersituation in Hitzacker mit dem Elbehochwasser im August 2002. Erstmals seit mehr als 100 Jahren (1895) kam es zur fast vollständigen Überflutung der Altstadt. Das führte zu dem Entschluss, einen umfassenden Hochwasserschutz für Hitzacker zu realisieren. Als bereits ein Teil der Baumaßnahmen ausgeführt wurde, erreichte das Elbehochwasser vom April 2006 den bislang höchsten gemessenen Wasserstand in der Altstadt von Hitzacker

Maßnahmenziel
Die in der Altmark entspringende Jeetzel ist der Hauptvorfluter für die gesamte Jeetzelniederung. Die Altstadt von Hitzacker wird von zwei Jeetzelarmen umflossen, welche dann in die Elbe münden. Die Auswirkungen eines Elbehochwassers reichten in der Vergangenheit über die Jeetzel bis an die Stadt Lüchow heran. Mit Herstellung des Hochwasserschutzes für Hitzacker ist es möglich, den Rückstau des Elbehochwassers in die Jeetzel zu verhindern und so die Altstadt Hitzacker sowie die Ortschaften Seerau, Kähmen, Streetz und z.T. Lüggau zu schützen. Mit der Baumaßnahme in Hitzacker wurde darüber hinaus die nachträgliche Erhöhung der Deiche der Jeetzel und ihrer Nebengewässer vermieden.


Bauausführung
Seit Frühjahr 2006 war Hitzacker die größte wasserwirtschaftliche Bau Baustelle in Niedersachsen, auch hinsichtlich des Finanzvolumens von insgesamt rund 63 Mio. Euro. Nach Plänen der Ingenieurberatung Bröggelhoff, Oldenburg, werden die Baumaßnahmen im Auftrag des Jeetzeldeichverbandes und mit Projektsteuerung durch den NLWKN, Betriebsstelle Lüneburg, von der Arbeitsgemeinschaft Hochwasserschutz Hitzacker abschnittsweise realisiert. Der ARGE gehören die Firmen Ludwig Freytag, Oldenburg, Gebr. Echterhoff, Westerkappeln und Tiefbau GmbH Unterweser, Oldenburg, an.

Die Baumaßnahmen waren in die Hauptbaulose A (Sielbauwerk), B (Hochwasserschutzwand) und C (Schöpfwerk) gegliedert. Darüber hinaus gab es weitere Baumaßnahmen zur Anpassung der Infrastruktur: Straße am Weinberg, Marschtorstraße, Straßen-Wege-Plätze auf der Stadtinsel, Brücke zur Schweineweide, Spundwand östlich der Drahwehnertorstraße und Lagerhalle für Dammbalken der Hochwasserschutzwand. Alle Maßnahmen wurden von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen aus den Fonds Aufbauhilfe und für regionale Entwicklung der Europäischen Union finanziert. Als Ausgleichsmaßnahme für die in Hitzacker durchgeführten Maßnahmen entsteht unter anderem für den Naturschutz eine 17 Hektar umfassende zusätzliche Überflutungsfläche durch Rückverlegung der Deiche im Einmündungsbereich des Jamelner Mühlenbaches in die Jeetzel.


Sielbauwerk
Zwischen der Altstadt Hitzacker und dem Weinberg im Mündungsbereich der Jeetzel wurde eine Sielkammer von 15 m Breite und 32,5 m Länge erstellt, um im Hochwasserfall das Eindringen des Elbe wassers in die Jeetzel zu verhindern. Zwei hydraulisch betriebene Stemmtorpaare (Torgröße jeweils 9 x 9 m) gewährleisten den Hochwasserschutz („doppelte Deichsicherheit“). Eine Wasserspülanlage hält den unteren Toranschlag frei von Schlamm. Im August 2006 begannen die Rammarbeiten für den Spundwandkasten in der Jeetzel. Den Abfluss der Jeetzel während der Bauzeit gewährleistete ein um die Baugrube angelegter Bypass. Im August 2008 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Die Kosten für das Sielbauwerk beliefen sich auf rund 6,5 Mio. Euro.


Hochwasserschutzwand
Zum Schutz gegen Elbehochwasser wurde elbseitig der Altstadt Hitzacker eine 938 m lange Hochwasserschutzwand gebaut. Diese wurde ausgeführt als Stahlbetonkonstruktion auf einer Spundwand als Unterläufigkeitsschutz. Hierbei kamen im Wesentlichen zwei Varianten zur Ausführung: Im Bereich der Marschtorstraße wurde die Hochwasserschutzwand als 1,20 m hohe feste Wand ausgebildet. Im Bereich der Altstadt wurde sie im Bedarfsfall mit mobilen Dammbalken um 1,50 m erhöht. Die Endhöhe der Hochwasserschutzwand liegt auf NN + 16,35 m. Im April 2007 begannen die Arbeiten zum Bau der Hochwasserschutzwand. Die Hochwasserschutzwand erhielt ein anspruchsvoll gegliedertes Verblendmauerwerk mit Schmuckelementen aus Sichtbeton. Die Kosten für die Hochwasserschutzwand beliefen sich auf rund 8,7 Mio. Euro.


Schöpfwerk
Der Bau eines Schöpfwerkes war erforderlich, um im Hochwasserfall bei geschlossenem Sielbauwerk den Abfluss der Jeetzel zu gewährleisten. Das Schöpfwerk Hitzacker erhielt drei Kreiselpumpen mit einer Förderleistung von je 20 m³/s, so dass insgesamt 60 m³/s in die Elbe gepumpt werden können. Jede der Pumpe beansprucht eine elektrische Leistung von ca. 1.200 kVA. Im Januar 2006 begannen die Bauarbeiten; sie wurden im August 2008 abgeschlossen. Das dreigeschossige Schöpfwerksgebäude (Grundfläche 28,6 m x 18,6 m, Firsthöhe 15 m, Traufhöhe 10 m) ermöglicht in der Pumpenhalle die Pumpenmontage über eine 20-t-Kranbahn. Das Schöpfwerk besteht aus dem Einlaufbauwerk mit Rechenanlage, der Pumpenanlage (Druckrohrdurchmesser 2,5 m), dem Auslaufbauwerk mit Rückstauklappen sowie dem Umlaufkanal. Die Fassade des Schöpfwerksgebäudes wurde nach Maßstäben des Denkmalschutzes so gestaltet, dass es sich in das Stadtbild der historischen Altstadt einfügt. Das Schöpfwerk war mit rund 12,5 Mio. Euro die kostenträchtigste Teilbaumaßnahme und wurde mit Inbetriebnahme das leistungsfähigste Schöpfwerk in Niedersachsen.

Quellen: Jeetzeldeichverband & "Das neue Wendland-Buch" vom Edition Limosa Verlag
 

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